Andacht zum 14. Februar 2021

Andacht zum 14. Februar 2021

Der Friede des Herrn sei mit euch allen.
Im Namen Gottes, des Vaters und es Sohnes
und des heiligen Geistes.
Unsere Hilfe und unser Anfang stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich und der nicht preisgibt ein Werk seiner Hände.
Amen.

Liebe Gemeinde!

Passend zum Predigttext des kommenden Sonntags Estomihi, sind wir nach draußen gegangen, haben den schützenden und sogar wärmenden Raum unserer schönen Kirche verlassen. Denn „Gott will nicht geehrt sein, wenn ein Bruder (natürlich auch eine Schwester) entehrt wird“, schrieb Dietrich Bonhoeffer in seiner Ethik (1943) und fasst damit ziemlich gut die Worte Jesajas zusammen, die im letzten Teil des Prophetenbuchs im 58. Kapitel aufgeschrieben sind (1-12):

Ruf, so laut du kannst, halt dich nicht zurück. Lass deine Stimme erschallen wie ein Widderhorn! Halt meinem Volk seine Verbrechen vor, den Nachkommen Jakobs ihre Vergehen. Sie befragen mich Tag für Tag und wollen wissen, was mein Wille ist. Als wären sie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht missachtet! Sie fordern von mir gerechte Entscheidungen und wollen, dass ich ihnen nahe bin. Und dann fragen sie mich: Warum achtest du nicht darauf, wenn wir fasten? Warum bemerkst du nicht, wie wir uns quälen? Ich antworte: Was tut ihr denn an den Fastentagen? Ihr geht euren Geschäften nach und treibt eure Untergebenen zur Arbeit an! Ihr fastet nur, um Streit und Zank anzuzetteln und mit roher Gewalt zuzuschlagen. So wie ihr jetzt fastet , findet eure Stimme im Himmel kein Gehör. Meint ihr, dass ich ein solches Fasten liebe? Wenn Menschen sich quälen, den Kopf hängen lassen wie umgeknicktes Schilf und in Sack und Asche gehen? Nennst du das Fasten, einen Tag, der dem Herrn gefällt? Das wäre ein Fasten, wie ich es liebe: Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los! Lasst die Misshandelten frei und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst, bekleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Nächsten! Dann bricht dein Licht hervor wie die Morgenröte, und deine Heilung schreitet schnell voran. Deine Gerechtigkeit zieht vor dir her, und die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Dann antwortet der Herr, wenn du ihn rufst. Wenn du um Hilfe schreist, sagt er: Ich bin für dich da! Schaff die Unterdrückung bei dir ab, zeig auf niemanden mit dem Finger und unterlass üble Nachrede. Nimm dich des Hungrigen an und mach den Notleidenden satt. Dann strahlt im Dunkeln ein Licht für dich auf. Die Finsternis um dich herum wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer und überall führen. Er wird dich auch in der Dürre satt machen und deinen Körper stärken. Dann wirst du wie ein gut bewässerter Garten sein, wie eine Quelle, die niemals versiegt. Du wirst Stätten wieder aufbauen, die seit Langem in Trümmern liegen. Grundmauern aus vergangen Zeiten wirst du wieder herstellen. Dann wird man über dich sagen: Das ist der, der Mauerlücken schließt und unwegsames Land wieder bewohnbar macht.


 Liebe Gemeinde!

Wissen Sie schon, was Sie hinterher als Erstes machen werden, wenn alles vorbei ist? Tagelange Feste feiern oder alle umarmen, die Ihnen begegnen oder - in Westfalen - wenigstens allen die Hand geben? Oder die Ärmel aufkrempeln, wörtlich oder im übertragenen Sinne, und zupacken, wo es nötig ist? Oder Dankgottesdienste feiern mit vollem Geläut und lautem Gesang? Oder, oder, oder… Die Menschen, denen die Worte des Propheten Jesaja ursprünglich galten im 5. Jahrhundert vor Christus, die bekamen die Chance zu einem neuen Anfang.
Zurückgekehrt aus dem Exil in der Fremde - vielleicht hallen die Trostworte des Propheten der vergangenen Andacht noch nach – hatten sie zwar vor den Trümmern ihrer Heimat gestanden, aber es gab eine Perspektive und Vertrauen in neue Wege: Das Land war für sie wieder „hell und weit“, wie es so schön im Vertrauenslied von Klaus-Peter Hertzsch heißt (EG 395,3).
 Und dann diese harten Worte? Die Fastentage seines Volkes, das er einmal als seinen „Augapfel“ bezeichnet hat, sind Gott ein Dorn im Auge.
Die, die neu anfangen durften, sind leider die Alten geblieben. Und so wird der Prophet sehr deutlich und unmissverständlich: Ein zur Schau gestelltes Fasten, ein Verzicht, der allein darauf ausgerichtet ist, sich selbst ins rechte Licht zu rücken, verfehlt sein Ziel gänzlich. Frömmigkeit und Selbstgenügsamkeit können nicht miteinander in Einklang gebracht werden, sondern schrillen Gott in den Ohren. Ein nicht gelebter Gottesdienst im Alltag macht den Gottesdienst am Sonntag unglaubwürdig. Gott verachtet ihn sogar, wie der Prophet Amos einmal schreibt (Amos 5,21-24).
Liegt`s an der Vergesslichkeit und Undankbarkeit, wenn Menschen der Erfahrung von Gnade und Neuanfang zum Trotz wieder auf`s alte Gleis geraten und nur den eigenen Vorteil auf Kosten anderer suchen? Oder an der Angst, zu kurz zu kommen? Ursachenanalyse betreibt der Prophet hier nicht. Er verhängt auch kein endgültiges Urteil, a la „Hab ich mir`s doch gedacht, dass es keinen Zweck hat mit euch“. Seine Worte sind konstruktive Kritik mit einer guten Aussicht am Ende:

„Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst, bekleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Nächsten. Dann bricht dein Licht hervor wie die Morgenröte, und deine Heilung schreitet schnell voran.“ (Jes 58, 7-8).

Die Werke der Barmherzigkeit, die hier genannt werden, sind zwar sicherlich auch manchmal anstrengend und bedeuten Selbstverzicht, aber sie sind fruchtbar und erleuchtend.
Die Worte des bekannten Liedes „Brich mit den Hungrigen dein Brot“ von Friedrich Karl Barth aus dem Jahr 1977 nehmen die Handlungsanweisungen Jesajas für ein gerechtes Fasten im Sinne Gottes auf.

 Die fünf Strophen bestehen einzig und allein aus fünf Aufforderungen, die sich wie im Kreise zu drehen scheinen und kein Ende nehmen. Die Werke der Barmherzigkeit als neue Tretmühle, um Gottes Gnade und Liebe nicht zu verlieren? Nein, sie sollen Ausdruck unserer Dankbarkeit sein und ein Weg in der Spur Jesu, der im Matthäusevangelium sich selbst mit denen gleichgesetzt hat, die dieser Werke bedürfen (Mt 25,35-36).

Liebe Gemeinde!

Es wird viel zu tun geben, wenn alles vorbei ist, und es gibt auch jetzt schon viel zu tun für die, die in Pandemiezeiten wie auch schon vorher hier und an anderen Orten zu den Schwächsten gehören. Deshalb tut es auch not, den schützenden Kirchraum zu verlassen und die Augen und sich selbst aufzumachen, und sei es, um die Spende für „Brot für die Welt“ zu überweisen oder den Laptop in die Nachbarschaft zu bringen, wo er für das Home-Schooling dringender benötigt wird.
 Auf dem Weg der Barmherzigkeit können Sie sich aber gern zwischendurch stärken lassen oder andere stärken, z. B. mit einer fair gehandelten Orange aus der Aktion von „Brot für die Welt“, die von der Eine-Welt-Initiative in Hopsten aufgenommen und mit Hilfe vieler umgesetzt wurde. Im Turmraum unserer Kirche steht vorn ein Korb mit diesen Orangen. Dort können Sie auch Informationen über diese Aktion finden.
 
Und außerdem, ganz nebenbei: Dabei wird einem/einer auch wieder warm.
Amen.

 

 Gebet

Gott, wir ahnen nur, wie groß die Nöte bleiben werden,
auch wenn die Pandemie einmal nicht mehr unmittelbar bedrohlich sein wird.
Hilf uns, nicht vergesslich zu werden
und uns nur mit uns selbst zu beschäftigen.
Öffne uns innerlich, mach uns aufmerksam und bereit,
jetzt und in Zukunft die Nöte anderer zu teilen und zu lindern.
 Amen.

 

Evangelisches Gesangbuch 420
 (Text: Friedrich Karl Barth 1977)
 (Melodie: Peter Janssens 1977)

 Brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
Sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus.

Such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied.
 
Teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort.
  
 Sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot.

 Sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel.