Andacht zum 07. Februar 2021

Andacht zum 07. Februar 2021

Der Friede des Herrn sei mit euch allen.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe und unser Anfang stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich,
und der nicht preisgibt das Werk seiner Hände.

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ –
unter diesem Leitwort hat die Andacht am vergangenen
Wochenende am Ende der Epiphaniaszeit gestanden.
Um die Wirksamkeit von Gottes Wort geht es auch
am kommenden Sonntag Sexagesimae, der schon
auf das Osterfest (60 Tage, in diesem Jahr 57) und
die vor ihm liegende Passionszeit ausgerichtet ist.
Und um die Liebe zu seinem Wort.

Ich bete mit uns Worte nach dem 119. Psalm:
Dein Wort, mein Gott, reicht so weit der Himmel ist,
und bleibt bestehen bis in Ewigkeit.
Deine Wahrheit währet von Geschlecht zu Geschlecht
 und das Wort deiner Lippen klingt bis an den Horizont.
Ohne dein Wort wäre ich längst vergangen
und meine Seele wäre verschmachtet.
Ich habe es lieb und sinne ihm täglich nach,
 in schlafloser Nacht oder in der Frühe des Morgens.
Dein Wort ist mir wie eine Leuchte in dunkler Nacht.
Es ist mir wie ein Licht,
dass ich in der Dunkelheit den Weg finde
und meine Füße nicht straucheln.
Ich will mich daran halten
und es in meinem Herzen bewahren.
Dein Wort, Gott, ist mir Schutz und Schild,
das mich erhält und stärkt.
Es lässt mich immer wieder aufleben
und bewahrt mich davor, zuschanden zu werden.
Dein Wort, mein Gott, reicht, so weit der Himmel ist,
und bleibt bestehen bis in Ewigkeit.
Amen

Liebe Gemeinde!

Uns stehen feuchte Tage bevor mit Schnee und Regen in Fülle, sagt der heutige Wetterbericht. Und seine Worte lassen uns überlegen und handeln: Wann erledige ich die notwendigen Einkäufe? Wo steht eigentlich der Schneeschipper, und reicht das Streugut noch aus? Muss ich vielleicht noch Pflanzen im Garten besonders schützen, und haben wir noch genügend Vogelfutter?
Obwohl die Worte des Wetterberichts noch gar nicht Wirklichkeit geworden sind, zeigen sie bereits Wirkung, nehmen wir sie ernst, stellen unser Leben darauf ein. 

Die Worte des Propheten Jesaja, die alttestamentliche Lesung des kommenden Sonntags, sind kein Wetterbericht, beschreiben aber Wetterphänomene als Gleichnis für Gottes Wort:

So lautet der Ausspruch des Herrn:
Meine Pläne sind anders als eure Pläne und meine Wege anders als eure Wege. Wie weit entfernt ist doch der Himmel von der Erde! So fern sind meine Wege von euren Wegen und meine Pläne von euren Plänen.

  Regen und Schnee fällt vom Himmel und kehrt nicht dahin zurück, ohne die Erde zu befeuchten. So lässt er die Pflanzen keimen und wachsen. Er versorgt den Sämann mit Samen und die Menschen mit Brot. So ist es auch mit dem Wort, das von mit ausgeht: Es geht nicht wirkungslos zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will. Was ich ihm aufgetragen habe, gelingt ihm.
Voll Freude werdet ihr aus Babylon fortziehen und wohlbehalten nach Hause gebracht werden Berge und Hügel brechen in Jubel aus, wenn sie euch sehen. Die Bäume in der Steppe klatschen in die Hände. Statt Dornsträuchern wachsen dort Kiefern und statt Brennnesseln Myrtenbüsche.
Das alles geschieht zur Ehre des Herrn. Er setzt ein unvergängliches Zeichen, das niemals ausgelöscht wird.
 (Jesaja 55,8-13 nach der Übersetzung der Basisbibel)

Worte des Propheten über Gottes Wort, die wirken sollen –
bei Menschen, die vielleicht über die Zeit des Exils ihr Vertrauen in Menschen und auch in Gott und sein Wort verloren haben. Hat unser Gott, der Gott Israels, mit uns noch etwas vor? Will er für uns und durch uns noch etwas bewirken? Oder haben wir in der Vergangenheit bereits alles verwirkt?

Die Worte des Propheten erinnern an die Freiheit Gottes. Sein Wort und sein Plan sind nicht an menschliche Wünsche und Projektionen gebunden. Und er erinnert daran, dass Gottes Wort von der Schöpfung an niemals nur so dahin gesagtes, leeres Wort, sondern immer wirksames Wort war. „Gottes Wort erschuf die Welt, hat die Finsternis erhellt“, so singen wir oft am Sonntagmorgen in unseren Gottesdiensten (EG 454,2).
Und dafür verwendet der Prophet Bilder, die jeder Mensch verstehen kann.
Beim Hören und Lesen haben wir bereits Bilder vor Augen, die Worte werden plausibel, sie zeigen Wirkung. Auch Jesus spricht immer wieder in unmittelbar einleuchtenden Bildern
und Gleichnissen von der Wirkung des Wortes Gottes, so auch im Gleichnis vom vierfachen Acker, dem Evangelium des kommenden Sonntags (Lukas 8, 4-8).
Weder dem Propheten noch Jesus geht es dabei allerdings allein um die handwerklich gutgemachte, medienpädagogische Wirkung, sondern darum, dass Gottes Wort bei den Menschen, die es hören, Auswirkungen hat, in ihnen und durch ihr Leben Wirklichkeit wird.
Und so wird Gottes Wort, wie es das Johannesevangelium schreibt, selbst Fleisch in dem Menschen Jesus von Nazareth. Seine Worte und sein Handeln fielen nicht auseinander.

„Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiss, was es verspricht, im Tod und auch im Leben“ (EG 473,3), werde ich gleich mit uns beten.

Auch das Wort des Propheten soll bei und in den Menschen seines Volkes Wirkung zeigen. Wie der trockene Boden durch Regen und Schnee getränkt wird und wieder Frucht bringen kann, damit Pflanzen, Tiere und Menschen leben können, sollen sie durch Gottes gutes Wort wieder Hoffnung schöpfen. Die Rückkehr in ihre Heimat ist noch keine Wirklichkeit geworden, aber das Vertrauen in Gottes Wort zeigt Wirkung: Freude, sogar überschwängliche Freude, und Lebensmut. Wir können Vertrauen fassen in Gottes gutes Wort für uns. Es bleibt nicht leer, sondern will gute Frucht für diese Welt bringen: Leben, das nicht vergeht und für alle Geschöpfe reicht.

 Liebe Gemeinde!
Die Worte des Wetterberichts, der zugegebenermaßen auch vertrauenswürdig und wichtig ist, zeigen bei uns Wirkung, wir nehmen sie ernst und stellen unser Leben darauf ein. Verstehen wir die Worte des Propheten Jesaja als Erinnerung und Ermunterung, Gottes Wort nicht weniger ernst zu nehmen.

 Amen.  

 

Ich bete mit den Worten des bei uns oft gesungenen Abendliedes,
das bei Johannes Eccard 1598 zu finden ist (Evangelisches Gesangbuch 473):


Mein schönste Zier und Kleinod bist
 auf Erden du, Herr Jesus Christ;
dich will ich lassen walten
und allezeit in Lieb und Leid
 in meinem Herzen halten.

Dein Liebe und Treu vor allem geht,
kein Ding auf Erd so fest besteht;
das muss ich frei bekennen.
Drum soll nicht Tod, nicht Angst, nicht Not
von deiner Lieb mich trennen.

Dein Wort ist wahr und trüget nicht
und hält gewiss, was es verspricht,
im Tod und auch im Leben.
Du bist nun mein, und ich bin dein,
dir hab ich mich ergeben.

Der Tag nimmt ab.
 Ach schönste Zier, Herr Jesu Christ, bleib du bei mir,
es will nun Abend werden.
Lass doch dein Licht auslöschen nicht
bei uns allhier auf Erden.
Amen.